Türkei-Tourismus bricht ein – Inland profitiert

Immer weniger Urlauber zieht es in das chaotische Land am Bosporus. Vor allem deutsche und russische Reisende bleiben fern, auch aus der Region.

Der Tourismus, einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes, ist durch die kritische Lage im Land eingebrochen und steckt in der größten Krise seit Jahren. Im Juni waren rund 40 Prozent weniger Deutsche in der Türkei als noch im Vorjahresmonat, so die neuesten Zahlen des türkischen Tourismusministeriums. Seitdem Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan am 21. Juli den Ausnahmezustand verhängt hat, dürfte die Anzahl der deutschen Urlauber noch weiter zurückgegangen sein.

Branche rechnet mit weiteren Verlusten

Hochwertige Hotels und kilometerlange Strände zu guten Preisen: Für viele Deutsche war die Türkei bisher nach Spanien und Italien drittbeliebtestes Reiseziel im Ausland. Die aktuellen Zustände im Land sind jedoch ein Grund, „die schönste Zeit des Jahres“ nicht in der Türkei zu verbringen. Im Juni kamen 41 Prozent weniger Besucher aus dem Ausland im Vergleich zum Vorjahr. 5,6 Millionen Bundesbürger machten im vergangenen Jahr Urlaub in der Türkei, zwischen Januar und Juni waren es nur knapp 1,5 Millionen.

Wichtiger Wirtschaftszweig

Für die Wirtschaft des Landes ist der Einbruch der Besucherzahlen ein herber Schlag. Rund 36 Millionen Gäste aus dem Ausland zählte das Tourismusministerium im vergangenen Jahr. Nach Untersuchungen des Welttourismusverbands WTTC hängen rund zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts und mehr als zwei Millionen Jobs direkt oder indirekt am Tourismus. Ob Hoteliers, Sonnenliegenvermieter oder Souvenirhändler: Die Existenz vieler Türken ist an das Geld der Reisenden geknüpft. Mehr als 30 Milliarden US-Dollar spült der Tourismus jährlich ins Land.

Die Einnahmen durch Touristen sind nach Angaben des türkischen Statistikinstituts im zweiten Quartal 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 36 Prozent auf knapp fünf Milliarden Dollar gesunken. Eigentlich sollte die Entwicklung in eine ganz andere Richtung gehen: Bis zum 100. Jahrestag der Gründung der Republik im Jahr 2023 will das Mittelmeerland 50 Millionen Gäste anlocken, so die ambitionierten Pläne der Regierung. Dafür wurde in den vergangenen Jahren bereits ordentlich investiert. Riesige Hotelkomplexe pflastern die Küsten des Landes, ein Neubau nach dem anderen entsteht. Doch diese stehen teilweise leer, die Hotelbetreiber plagt der Besucherschwund.

Das sagt die IHK zur Entwicklung in der Türkei

Ein Grund der Misere ist auch das Fernbleiben russischer Feriengäste. Nach den Deutschen als größte Touristennation in der Türkei sind die Russen die zweitgrößte Gästegruppe des Mittelmeerlandes. Rund ein Drittel der Touristen in der Türkei kam aus Deutschland und Russland. Bei den russischen Gästen ist der Rückgang noch um einiges dramatisches als bei den Deutschen.

Der Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei im Grenzgebiet zu Syrien im vergangenen November hatte eine tiefe Krise in den Beziehungen zwischen beiden Ländern ausgelöst. Russische Charterflüge in die Türkei waren seitdem verboten. Dadurch kamen bis Ende Juni mehr als 90 Prozent weniger russische Urlauber in die Türkei als noch im Vorjahr. Nach einem Gespräch mit Recep Tayyip Erdogan zeigte sich Kremlchef Wladimir Putin in der vergangenen Woche bereit, das Verbot für Charterflüge und die Einschränkungen für die Reiseveranstalter wieder aufzuheben.

Quelle: Alle Texte und Grafiken erschienen zuerst auf schwaebische.de.

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