Online-Journalismus: Tools, die Sie kennen sollten

Gerade am Anfang erleichtern ddj-Tools die Arbeit enorm. Einige Programme, die bei der Heilbronner Stimme bevorzugt eingesetzt werden, möchte ich hier vorstellen. Jedes Foto ist mit dem jeweiligen Tool verknüpft, darunter befinden sich einige Beispiele.

1. Scrollytelling mit WordPress Plugins

Scrollytelling lässt sich manchmal ganz ohne externe Tools, nur über eine WordPressintegration ins Content-Management-System realisieren. Bekannte WP-Plugins sind die Aesop Story Engine und Scrollkit, das von WordPress aufgekauft wurde. Einfacher und schneller lässt sich innovatives Storytelling kaum umsetzten.

Daher gilt: Der erste Gedanke sollte Richtung WP-Plugins gehen. Braucht man mehr Funktionen, kommen externe Tools in Frage oder, wenn auch das nicht reicht, eigener Code.

Anwendungsbeispiel: 1954 erfroren am österreichischen Dachstein 13 Heilbronner Schüler und Lehrer. Das mit Scrollkit realisierte Projekt Plötzlich zieht Nebel auf rekonstruiert die Abläufe.

2. Thinglink – Add links to images and Video

Thinglink; Foto: Screenshot

ThingLink verlinkt Videos, Sounds, Slideshows, Fotos und Maps auf einer einzigen Seite. Hinter den Links können multimediale Inhalte platziert werden. Sie lassen sich innerhalb der Seite aufrufen und abspielen. Außerdem überzeugt ThingLink mit umfangreichen Share- und Embed-Funktionen und ein WordPress-Plugin.

Bei der Heilbronner Stimme ist Thinglink bereits regelmäßig im Einsatz. Themen wie „Welche Schule passt zu mir?“ oder „Hier finden Studenten ein Dach über dem Kopf“ bieten Betroffenen einen hohen Nutzwert und können jedes Jahr mit wenig Aufwand aktualisiert werden. Suchmaschinenoptimiert aufgebaut, sorgen sie ganzjährig für Traffic und legitimieren ihren Aufwand daher auch monetär.

Die Thinglinks „Werbung an der Autobahn“, „Im Büro des Oberbürgermeisters“ und Dialektkarten (So klingt der Eimer in Hohenlohe, Hohenloher Leibgerichte) lassen sich leicht über soziale Netze vermarkten. Sie stärken die Community, das Lokalbewusstsein der Leser und sind mit wenig Aufwand zu moderieren.

3. CartoDB – Turn your data into beautiful, useful maps

CartoDB; Foto: Screenshot

Ein Open Source Karten-Tool, das zunehmend das veraltete Fusion Tables von Google ablöst. Während man bei Fusion Tables schnell an Grenzen stößt, bietet CartoDB von der Firma Vizzuality viele Darstellungsoptionen und ist dabei genauso intuitiv zu bedienen.

CartoDB bietet vielfältige Möglichkeiten der Gestaltung und Veröffentlichung. Neben Titel und Untertiteln können auch Bilder eingefügt und Legenden gestaltet werden. Auch Optionen wie das Ein- und Ausblenden verschiedener Ebenen sind verfügbar.

Arbeitsablauf: Tabelle hochladen, Spalte mit Adressen oder GPS-Koordinaten auswählen und in den Kartenmodus wechseln. Bei CartoDB kann zwischen verschiedene Kartendesigns gewählt werden. Karten, Marker und Infokästen sind individualisierbar.

Karten eignen sich besonders für die Darstellung rund um Infrastruktur, Parken und Wohnen. Marode Stellen im Straßennetz wie Eisenbahnbrücken: Zwei müssen weichen oder Autobahnbrücken lassen sich ebenso visualisieren wie Parkplätze  in der Innenstadt oder Orte, an denen es die meisten Knöllchen gibt.

Auch steigende Preise für Mietwohnungen, Eigenheime und Bauplätze sind ein Dauerthema. Die Projekte Was zur Miete wohnen kostet und die Preiseentwicklung bei Wohnbauplätzen geben einen schnellen Überblick über die Entwicklungen an er Immobilienfront.

Aber Miet- und Grundstückspreise sind nicht alles. Auch das Trinkwasser will bezahlt sein. Und das kostet je nach Wohnort ganz unterschiedlich viel. Mit dem Programm Trinkwasser: Wer zahlt am meisten? können User vergleichen.

4. Scribblelive – All your content marketing needs in one place

Scribblelive; Foto: Screenshot

Mit einem“Scribble-Blog“ können sich User an einer Unterhaltung beteiligen, ohne Mitglied in einem Netzwerk wie Facebook oder Twitter sein zu müssen. Scribblelive erlaubt die redaktionelle Filterung von Einträgen aus den wichtigsten sozialen Netzwerken und schafft einen Überblick über das aktuelle Social-Media-Geschehen. In einem Live-Blog, das beispielsweise auf der Homepage oder in einen Artikel integriert sein kann, werden die ausgewählten Beiträge aus Facebook und Twitter eingebunden.

Umsetzungsbeispiel: Redakteure wandern durchs Verbreitungsgebiet und bloggen über ihre Erlebnisse und Begegnungen. Da die Route vorher festgelegt wurde und die Redakteure regelmäßige Status-Updates posten, wissen die User, wo sich die Wanderer befinden. Die Leser können direkt in das Blog schreiben und werden so Teil der Geschichte.

Eine andere Möglichkeit sind Fotoblogs, wie der Leser-Blog: Spektakulär ins Licht gesetzt, in den Leser Winterimpressionen aus der Region posten konnten.

5. Datawrapper – Erstelle Diagramme und Karten in nur vier Schritten

Datawrapper; Foto: Screenshot

Der kostenlose Datawrapper wurde von der Akademie Berufliche Bildung der deutschen Zeitungsverlage (ABZV) entwickelt. Mit dem Datawrapper können Journalisten Excel-Tabellen mit wenig Aufwand in interaktive Diagramme verwandeln, die sich online einbinden lassen.

Dank des Tools können sich Journalisten auf die Recherche und Analyse der Daten konzentrieren, die Darstellung übernimmt das Programm. Der Datawrapper ist Open Source und war am Anfang kostenlos. Am 1. Dezember 2014 wurde ein gestaffeltes Gebührenmodell eingeführt. Für Einzelnutzer wird die bisher kostenlose Publikation eingeschränkt.

Wer nur ab und zu Diagramme oder Karten braucht, der kann den Dienst weiterhin kostenlos nutzen, muss die erstellten Diagramm aber herunterladen und auf eigene Server laden. Professionelle Nutzer können ab Dezember Originaldatensätze direkt in Datenwrapper bekommen. Damit entfallen Zwischenschritte mit Excel.

Wegen der Gebühren eignet sich Datawrapper nicht mehr zum Experimentieren, sondern nur noch für eingespielte Redaktionen, die bereits wissen, welche Tools sie wollen. Wie ansprechend sich Daten mit dem Wrapper visualisieren lassen, zeigt die Übersticht über die Pendler in der Region.

Befürchtungen, dass Datawrapper die Kommerzialisierung nicht überlebt, sind meiner Einschätzung nach allerdings berechtigt. Die Bezahlbereitschaft dürfte sich angesichts der kostenlosen Alternativen in Grenzen halten.

6. StoryMapJS – Maps that tell stories

StoryMap; Foto: Screenshot

StoryMap JS von Knight Lab visualisiert zeitliche Verläufe auf Karten. Es eignet sich dafür, einen Ablauf auf einer Karte darzustellen. Ein Google-Drive-Account wird benötigt, Tabellen müssen nicht anlegt werden.

Fenster um Fenster erstellt man die interaktive Karte, am Schluss wird ein Einbett-Code erzeugt. Story Maps kombinieren Webkarten mit Multimedia-Inhalten wie Texten, Fotos, Videos und Audiodateien.

Wie sich so etwas umsetzen lässt, zeigt die Karte zu den 43 Stolpersteinen in Heilbronn. Die Steine sollen an das Schicksaal von Opfern des Nationalsozialismus erinnern. Ohne lokalen Bezug, aber trotzdem spannend ist die Visualisierung So erleben Touristen die Berliner Mauer.

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