Hieble gewinnt Gründerpreis von Schwäbisch Media

Moderator Stefan Kühlein interviewt den Sieger des Gründerpreises 2016, Christian Hieble.

Das Unternehmen Malerhandwerk Hieble hat am Donnerstagabend in Ravensburg den Gründerpreis von Schwäbisch Media gewonnen. In seiner Festrede im Medienhaus lobte Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, alle Bewerber: „Wir brauchen mehr Menschen wie Sie, die einfach ins kalte Wasser springen.“ 48 Firmen aus der Region hatten sich bei der siebten Ausgabe des Gründerpreises beworben. „Sie alle sind Vorbild für Gründungswillige und ihre guten Beispiele sorgen für hoffentlich viele Nachahmer“, sagte Oettinger.

Gewinner Christian Hieble arbeitet mit seinem Lindauer Unternehmen Malerhandwerk Hieble daran, mit ökologisch wertvollen und umweltfreundlichen Materialien das Image des reinen Anstreichers abzulegen. Kurt Sabathil, Geschäftsführer von Schwäbisch Media, übergab die Gründerpreis-Trophäe vor mehr als 200 geladenen Gästen an Hieble und lobte dessen Risikofreudigkeit und Beharrlichkeit. „Damit es unserer Wirtschaft im Südwesten weiterhin gut geht, brauchen wir Leute wie Sie, die den Mittelstand mit Ihren Ideen und Projekten vorantreiben.“

Die 25-köpfige Fachjury, bestehend aus namhaften Vertretern der regionalen Wirtschaft aus verschiedenen Landkreisen, Positionen und Branchen, vergab den zweiten Preis an Steamdrive. Das Heidenheimer Unternehmen wurde 2013 von Jürgen Berger und Heinz Tengler gegründet und verfolgt das Ziel, die in der Abwärme von Verbrennungsmotoren und industriellen Anlagen enthaltene Energie zurückzugewinnen und erneut nutzbar zu machen.

Den dritten Preis erhielten Torben Götz, Maria Cervantes und Sanya Zillich für die Gründung von Vida Eat Different. Die drei Jung-Unternehmer wollen den Fast-Food-Markt mit biologischen und nachhaltigen Produkten revolutionieren. Das Konstanzer Unternehmen überzeugte zudem die Mehrheit der Leser der „Schwäbischen Zeitung“ von sich. Bei der Online-Abstimmung zum Publikumspreis erhielten sie die meisten Stimmen.

Der Sonderpreis der Jury ging in diesem Jahr an die Festspiele Burgrieden – eine Freilichtbühne, die Karl-May-Abenteuer zeigt. Das große persönliche Engagement, besonders von Gründerin Claudia Huitz, und der kulturelle Mehrwert für die Region waren ausschlaggebend für diese Entscheidung, so die Jury. „Sie, wie alle anderen Ausgezeichneten, haben sich den Erfolg hart erarbeitet“, lobte Oettinger abschließend.

Alle Bewerber auf einen Blick

Für den Gründerpreis von Schwäbisch Media hatten sich in diesem Jahr 48 Unternehmen aus elf Branchen und zwölf Landkreisen zwischen Ostalb und Bodensee, Schwarzwald und Allgäu beworben. Der Preis ist mit insgesamt 21000 Euro dotiert und wird seit sieben Jahren verliehen.

Platz 1:  Natur an der Wand – Maler Christian Hieble betreibt alte Handwerkskunst

Gründer sind erwünscht – das gilt umso mehr im Handwerk, denn hier stehen in den nächsten Jahren Tausende Betriebe vor der Nachfolge-Frage. Jedes Jahr machen im Bezirk der Handwerks-kammer Ulm 500 junge Leute ihren Meister und wären damit startklar in die Selbstständigkeit. Genügend Gründe also für die Jury, den ersten Preis an Christian Hieble zu vergeben, der vor zwei Jahren in Lindau seinen Betrieb Malerhandwerk Hieble gründete.

Der 38-Jährige ist sprachlos und glücklich, als er die Trophäe in der Hand hält. Hieble will alte Handwerkskunst betreiben und verwendet dabei Material, das schon die alten Römer kannten: Aus Sumpfkalk entstanden die Bäder in Pompeji. Bei der Auswahl von Farbe und Material hat Hieble „immer das Ganze im Blick“. Die Mühe lohnt sich: „Es ist erstaunlich, was man aus einem Raum machen kann.“ Als Vorbild dient ihm die vorarlbergische Holz- und Zimmererkunst. Sein Ziel: das Malerhandwerk wieder beleben, das Traditionelle mit Innovationen verbinden. Dabei zehrt er von seiner Ausbildung an der Meisterschule in Stuttgart und jahrelanger Erfahrung in einem Betrieb in der Schweiz. Von seinen Ideen will er Architekten und Innenausstatter überzeugen. Die Antwort auf die Frage, wo er sich inspirieren lässt, fällt ihm leicht: „Im Urlaub. Als Unternehmer muss man unbedingt auch mal abschalten.“

Platz 2: Verlorene Energie nutzen – Steamdrive wandelt Abwärme in Strom

Verbrennungsmotoren wandeln nicht nur chemische Energie in mechanische Arbeit um, sie erzeugen auch jede Menge Abwärme. Abwärme, die Energie enthält und die in der Regel ungenutzt verpufft. Diese Energie zurückzugewinnen und erneut zu nutzen, ist die Mission von Jürgen Berger und Heinz Tengler. In einem Großkonzern tüftelten die beiden Ingenieure an einer nachhaltigen Lösung zur Abwärmenutzung. Mit Erfolg. Steamdrive war geboren, „ein System, das überschüssige Wärme über einen Dampfmotor in Strom oder Wärme verwandelt – ohne die Umwelt zu belasten“, erklärt Berger.

Im Vergleich zu anderen Systemen zur Abwärmenutzung können die Heidenheimer Gründer auf einige Besonderheiten verweisen: Die Technologie funktioniert mit Wasser als Arbeitsmedium und kommt ganz ohne das sonst übliche, umweltschädliche Thermoöl aus – ein Novum in dieser Leistungsklasse. Darüber hinaus lassen sich die schlüsselfertigen Anlagen auch in bestehende Systeme integrieren und werden rund um die Uhr online betreut.

In den gut zwei Jahren seit der Unternehmensgründung haben Berger, Tengler und das inzwischen 14-köpfige Team Streamdrive zur Serienreife entwickelt und bereits 20 Systeme installiert. Für die Zukunft haben die beiden noch viel vor: „Abwärme beinhaltet ein gigantisches Energiepotenzial. Von diesem Kuchen wollen wir uns ein gehöriges Stück abschneiden“, sagt Berger.

Platz 3: Gesund und trotzdem schnell – Vida Eat Different bietet Fastfood auf Bioart

Chefredakteur Hendrik Groth (links) mit den Gründern Sanya Zillich (von rechts), Torben Götz sowie der Ravensburger Storechefin Kathrin Wiest.

Die Zeit wird hektischer, der Stress größer, und der moderne Mensch hat kaum eine Minute um innezuhalten – geschweige denn, sich gesund zu ernähren. Ein Problem – und ein sich daraus ergebendes Geschäftsmodell. „Wir möchten Menschen mit umtriebigem Lebenswandel die Möglichkeit geben, sich schnell und trotzdem gesund zu ernähren“, sagt Vida-Eat-Different-Gründer Sanya Zillich.

Zusammen mit Torben Götz und Maria Cervantes hat der 30-Jährige vor mehr als drei Jahren die „Eat-Different“-Idee in die Tat umgesetzt und ein Unternehmen gegründet, das den Fast-Food-Gedanken mit biologisch und gesunden Zutaten verbinden will. Angefangen hat es mit einem Lieferservice in Konstanz, ein Cateringdienst und Food-Workshops kamen hinzu, zuletzt entstanden Take-Away-Filialen in Konstanz und Ravensburg.

Mittlerweile beschäftigen Zillich, Cervantes und Götz 26 Mitarbeiter, davon sieben in Vollzeit. Im Jahr 2015 erzielten die drei Gastronomen einen Umsatz von 450000 Euro, der in diesem Jahr auf 730000 und 2017 auf 1,5 Millionen Euro steigen soll. „Bis Ende des Jahres streben wir erstmals eine schwarze Null an“, sagt Torben Götz, der die Geschäftsidee von einem Auslandssemester mitgebracht hat: In Mexiko erlebte Götz, dass an Straßenständen zubereitete Speisen schnell fertig – und dabei trotzdem gesund und lecker sein können.

Wie alles begann

Quellenhinweis: Alle Texte sind zuerst im Dossier der Schwäbischen Zeitung erschienen.

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