Die Qual der Airport-Wahl – Flughäfen in der Region im Test

Vor einer Flugreise in den Urlaub steht die Frage, an welchem Flughafen die Reise beginnen sollte. Wer günstig fliegen und ohne großen Aufwand abheben will, sollte Preise vergleichen, zeitlich und bei der Wahl des Startorts flexibel sein. Fünf Flughäfen kommen in der Region infrage – die „Schwäbische Zeitung“ hat sie getestet.

Mit dabei sind die Regionalflughäfen in Friedrichshafen und Memmingen, die mit schneller Abfertigung und familiärer Atmosphäre punkten. Die Flughäfen in München, Zürich und Stuttgart dagegen sind internationale Drehkreuze mit über 20 Millionen Passagieren im Jahr.

145 Flugziele können Passagiere von Zürich aus direkt erreichen, von München sogar 175. Dazwischen liegt der Stuttgart Airport mit etwa zehn Millionen Passagieren und 125 Zielen. Für Flughafenplaner Dieter Faulenbach da Costa ist die Anzahl von Direktverbindungen das entscheidende Kriterium für die Wahl eines Flughafens: „Was bringt eine kürzere Abfertigungszeit in einem kleinen Flughafen, wenn man anschließend mehrere Stunden etwa in Frankfurt auf einen Anschlussflug warten muss.“

Dass die Expertenmeinung nicht alles ist, zeigt eine nicht repräsentative Onlineumfrage auf Schwaebische.de mit 266 Teilnehmern. Auf die Frage nach ihrem bevorzugten Flughafen votierten 38 Prozent für den Bodenseeairport in Friedrichshafen, 28 Prozent stimmten für den Allgäu-Airport in Memmingen, elf Prozent schätzen vor allem Stuttgart, während die Großflughäfen in München mit zehn Prozent und Zürich mit sieben abgeschlagen auf den hinteren Plätzen landeten.  Sechs Prozent gaben an, entweder keinen Flughafen oder einen anderen zu präferieren.

Flughafenplaner: „Deutschland braucht fünf statt 60 Flughäfen“

Der Flughafenplaner Dieter Faulenbach da Costa hält Regionalflughäfen für nicht überlebensfähig. Warum er das so sieht und was er von den Flughäfen in der Region hält, verrät er im Gespräch mit Marco Weiß. Als Bereichsleiter für Master Planning war er bei der Hochtiefbau AG und der Hochtief Airport GmbH für Konzeptplanungen und Machbarkeitsstudien zuständig. Er hat an Neu- und Ausbauten von Flughäfen unter anderem in Berlin, Düsseldorf, New York (JKF und LGA) Sofia, Male, Macao, Lahore, Dakar und Breslau mitgearbeitet.

Woran kann ein Fluggast einen guten Flughafen erkennen?

Aus Passagiersicht ist schnelles Vorankommen und eine einfache Orientierung wichtig. Große Flughäfen sollten Passagiere automatisch in die richtige Richtung lenken.

Welche Vor- und Nachteile haben regionale Flughäfen im Vergleich zu Großflughäfen?

Kleine Flughäfen bieten eine schnelle Abfertigung. Dieser Vorteil wird durch die wenigen erreichbaren Ziele und das dadurch notwenige Umsteigen aber relativiert. Ich bin der Meinung, dass Deutschland keine 60, sondern fünf große Flughafensysteme braucht. Ein Flughafen wie Memmingen kann nur als Ergänzungsflughafen zu München wirtschaftlich betrieben werden. Im Wettbewerb mit den Großen fallen immer Verluste an, die durch den Betrieb nicht ausgleichbar sind. Erfolge sind nur von kurzer Dauer, da die Airlines immer am längeren Hebel sitzen.

Allgemeine Tipps

  • Alternative Abflughäfen können günstiger sein – allerdings nicht auf allen Strecken.
  • Den einen Flughafen, der für alle Flugziele besonders günstig oder besonders teuer ist, gibt es nicht.
  • Preise vergleichen und beim Startflughafen flexibel sein, lohnt sich.
  • Mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen ist meist günstiger.
  • Bahnverbindungen mit mehr als einem Umstieg erhöhen das Risiko von Verspätungen deutlich, besser vermeiden oder früher fahren.
  • Wer mit dem eigenen Auto oder auch mit dem Taxi anreisen möchte, dem drohen vor allem in Zürich hohe Kosten.

Zur Auswahl der Flughäfen

  • Die Flughäfen Basel-Mülhausen und St. Gallen-Altenrhein sowie der Flugplatz Hohenems-Dornbirn wurden nicht berücksichtigt.
  • Basel-Mülhausen spielt wegen der Distanz für die Region eine untergeordnete Rolle, das Flugaufkommen in St. Gallen war mit 101 092 Passagieren 2015 zu gering, und von Dornbirn starten nur Kleinflugzeuge.

 1. Bodenseeairport Friedrichshafen

  • Pro: Wer zum ersten Mal von Friedrichshafen aus fliegt, dem fallen der entspannte Check-In und die familiäre Atmosphäre auf. Die Abfertigung ist aber nicht nur stressfrei, sondern dank der kurzen Wege auch schnell. Zudem gibt es günstige Parkmöglichkeiten in der Nähe.
  • Contra: Der Service und Komfort lässt dagegen zu wünschen übrig. Vor allem bei einer Landung am Bodenseeairport fällt auf, dass es nur wenige Möglichkeiten gibt, Mitbringsel zu erwerben. Außerdem werden nur 19 Flugziele angesteuert.
  • An- und Abreise: 
    • Bahn: eigene Haltestelle an Strecke Ulm-Ravensburg-Friedrichshafen.
    • Auto: keine Autobahnanbindung, über B 31 und B 30 erreichbar.
  • Expertenmeinung: „Der Bodenseeairport ist besser etabliert als der Allgäu Airport und liegt in einer Urlaubsregion.“

2. Allgäu Airport Memmingen

  • Pro: Kurze Wege, günstige Parkmöglichkeiten und attraktive Ticketpreise durch Billigairlines machen den auch München-West genannten Flughafen bei Passagieren beliebt. Er gilt als überschaubar und vergleichsweise gemütlich. Von Ulm aus gibt es einen eigenen Shuttle-Bus-Service.
  • Contra: Die Nachteile sind typisch für regionale Flughafen: Wenige Airlines fliegen nur 33 Flugziele an, die Einkaufsmöglichkeiten sind begrenzt.
  • An- und Abreise:
    • Bahn: Bahnhof etwa vier Kilometer entfernt, Flughafen per Bus oder Taxi (zehn bis 15 Euro) erreichbar.
    • Bus: „Meinfernbus“ fährt von Friedrichshafen, über Wangen und Leutkirch nach Memmingen.
    • Auto: Anbindung an A 96 und A 7.
  • Expertenmeinung: „Für den Allgäu-Airport sehe ich auf Dauer keine Überlebenschance im Passagierbereich. Eine Zukunft kann ich mir für den ehemaligen Militärflughafen nur als Ergänzungsflughafen zu München für bestimmte Verkehrssegmente wie Billigfluggesellschaften vorstellen.“

3. Manfred-Rommel-Flughafen Stuttgart

  • Pro: Ein Highlight ist die sehenswerte Aussichtsterrasse über Terminal 3. 125 Flugziele ermöglichen viele Direktflüge nach Deutschland, Europa und die Welt.
  • Contra: Ein Fernverkehrsbahnhof fehlt, und der Umstieg mit Gepäck ist durch die Baustelle von Stuttgart 21 beschwerlich. München und Zürich sind in der Abfertigung schneller.
  • An- und Abreise:
    • Bahn: Der Tiefbahnhof Flughafen/ Messe ist mit den S-Bahn-Linien 2 und 3 vom Hauptbahnhof aus in 27 Minuten erreichbar.
    • Bus: Auch einige Fernbuslinien binden den Flughafen in ihr Streckennetz ein.
    • Auto: Der Flughafen Stuttgart liegt direkt an der A 8.
  • Expertenmeinung: „Verfügt über ein solides Aufkommen, muss aber irgendwann ausgebaut werden oder sollte sich auf das Premium-Segment konzentrieren.“

4. Flughafen Zürich

  • Pro: Beim laut der World Travel Awards führenden Flughafen des Jahres 2015 greift ein Rädchen ins andere. 145 Flugziele, eine attraktive Zuschauerterrasse und eine gute Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel und mehrere Autobahnen rechtfertigen die Auszeichnung.
  • Contra: Die Parkpreise sind nichts für kleine Geldbeutel. Für eine Woche sind etwa 200 Euro fällig. Auch Taxifahren ist in der Schweiz wesentlich teurer als gewohnt.
  • An- und Abreise:
    • Bahn: Flughafenbahnhof, Euro-City-Verbindung (EC) über Lindau und Bregenz.
    • Auto: Autobahnanbindung an die A1, A20 und A51. Auch Mautfreie Routen sind möglich.
  • Expertenmeinung: „Die Anbindung ist eine Katastrophe, der Flughafen sollte an das Fernverkehrsnetz der Schiene angeschlossen werden. Die Abfertigungszeiten sind gut.“

5. Franz-Josef-Strauß-Flughafen München

  1. Pro: Mit 175 Flugzielen ist München die Nummer eins im Test. Parkmöglichkeiten stehen in ausreichender Zahl zur Verfügung. Es gibt ausgezeichnete Restaurants und schnelles WLan.
  2. Contra: Kein Fernverkehr und lange Anreisezeit vom Münchner Hauptbahnhof.
  3. An- und Abreise:
    • Bahn: kein Fernverkehr, nur S- Bahnlinien 1 und 8, etwa 40 bis 60 Minuten vom Münchner Hauptbahnhof aus.
    • Bus: „Meinfernbus“ fährt dreimal täglich von Friedrichshafen, über Wangen, Leutkirch und Memmingen nach München.
    • Auto: über A 96 und A 92, Route um München ist anfällig für Stau.
    • Taxi: von Münchner Innenstadt rund 60 Euro.
  4. Expertenmeinung: „Zu Swissair-Zeiten für mehr Passagiere geplant. Seit der Pleite der Airline ein besonders komfortabler und großzügiger Airport für Passagiere.“

Quelle: Alle Texte und Grafiken erschienen zuerst auf schwaebische.de.

 

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